Berichte

"Es hat mein Leben bereichert" - Zeitungsartikel über Katrin Thomsen (2017/2018)

Der Schleibote berichtete im Dezember 2018 über Katrins Freiwilligenaufenthalt in El Salado. Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung dürfen wir den Artikel hier veröffentlichen.

Über den untenstehenden Link ist das pdf-Dokument zu öffnen.

 

 


Schule in luftiger Höhe - von Tabea Schulze Pals (2016/17)

Mit freundlicher Genehmigung der Zeitung Westfälische Nachrichten dürfen wir den im August 2017 erschienenen Artikel von Tabea Schulze Pals auf unserer Seite veröffentlichen.


Wo Wasser und Mehl statt Kamelle geworfen wird - Zeitungsartikel über Stefanie Czaikas Freiwilligendienst (2016/17)

Der Generalanzeiger Bonn hat über Steffis Freiwilligendienst und den Karneval in El Salado berichtet. Der ganze Artikel ist hier zu lesen.


Unterricht auf 3500 m Höhe - von Theresa Müller (2015/16)

­­Über den Link kommt ihr zum Zeitungsartikel von Theresa Müller, den wir auf unserer Seite mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung veröffentlichen dürfen.


Ein halbes Jahr am Fuße des weißen Riesen - von Josua Schmoll (2015/16)

Der kleine, harte Ball rast mit krachender Geschwindigkeit ins Tor. “Goool!”

Neun Ecuadorianer und ein Deutscher rennen wie die Verrückten, als ginge es um ihr Leben, auf den Ball zu. Es wird gescherzt und gelacht während drumherum leise die Sonne untergeht und den weißen Riesen in rötliches Licht taucht. Die Flutlichter springen an und von irgendwoher strömen mehr und mehr Gestalten aus der Dunkelheit um uns zuzugucken oder mitzuspielen. “Este alemán…” höre ich nur zu oft, mit meinen 1,78 m überrage ich doch die meisten um ein gutes Stück und habe damit schon meinen Platz unter ihnen erworben. Oft wird abends auf dem Schulhof in El Salado Volley- oder Fußball gespielt; nachdem alle Kühe versorgt und Erledigungen gemacht worden sind, trifft sich die Jugend des Dorfes und rennt, lacht und spielt. Ecuador ist ein junges Land, und auch hier wird mir das immer mehr bewusst. Es gibt fast doppelt so viele junge Männer wie alte und selbst die jungen haben meist schon ein Kind, das sie auch abends mit zum Spielen bringen. Viele sind verheiratet, leben bei ihren Eltern im Haus und kümmern sich um Vieh und Feld.

El Salado liegt nicht weit entfernt vom großen Chimborazo, mit 6.300 m dem höchsten Berg Ecuadors und der vom Mittelpunkt der Erde weit entfernteste Punkt auf unserem Planeten. Das Wetter ist kalt, Regen und Sonne wechseln sich in zwei Jahreszeiten ab. Und hierhin hat es uns für sechs Monate verschlagen. Theresa, meine Mitfreiwillige, und mich. An der Dorfschule unterrichten wir Englisch und Mathe und helfen bei all dem, was sonst noch so ansteht, wie z.B. der Schule einen neuen Anstrich verpassen, mit den Kindern am Nachmittag Kuchen backen, oder im Schulgarten neues Gemüse zu pflanzen.

120 Schüler kommen auf knapp 20 Lehrer und die ecuadorianische Gelassenheit ist allgegenwärtig. Manchmal haarsträubend, manchmal angenehm entspannend. Unsere Geduld wird in vielen Momenten auf die Probe gestellt, aber umso schöner ist es, wenn dann doch ein paar Sachen funktionieren, die man gar nicht erwartet hatte. Die kleinen Kinder wollen nicht von uns loslassen und die Großen, die zu cool sind, um mit uns gesehen zu werden, schauen uns komisch von der Seite an. Pubertät scheint doch überall gleich zu sein.

Nachmittags kommen die Kinder aus dem Dorf zu uns ins Haus, um zu spielen und Hausaufgaben zu machen. Der kleine Denis zeigt uns stolz sein ausgemaltes Mandala während Theresa sich um die Englischhausaufgaben mit Mercy kümmert und ich Mónica Mathe erkläre. Danach geht es zum Versteckenspielen im nahe gelegenen Schulgarten oder wir stürzen uns alle aufeinander und toben bis um sechs Uhr langsam die Sonne untergeht und die ersten Jungs auf den Fußballplatz strömen. Ab und zu müssen wir die Kleinen regelrecht aus der Hospedería schleifen, weil sie nicht nach Hause möchten.

Ich schnapp mir den kleinen, harten Ball und laufe mit Vinicio und Edwin runter, manchmal kommt Theresa auch noch mit, und wir spielen und toben mit den Kindern noch in den Abend hinein. Der weiße Riese zeigt sich ein letztes Mal bevor die Nacht ihn verschlingt und wir nur das Schimmern des Mondes auf seinen Gletschern sehen können. „Hasta mañana“ ruft uns Denis zu während er zusammen mit seinem Bruder nach Hause spaziert und wir freuen uns schon auf den nächsten Tag in unserem kleinen Dorf am Fuße des Chimborazos.

Stupor mundi e.V. entsendet jährlich im August zwei Freiwillige in das Projekt in El Salado im ecuadorianischen Hochland. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.stupor-mundi.org

Der Verein finanziert das Projekt ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen.

 

 


Ecuador - Ein Erfahrungsbericht von Irene Wintermeyer (2005)

Als ich im Flugzeug nach Quito saß, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte auf was ich mich da eingelassen hatte. Ich wusste nicht einmal in welcher Sprache ich mit den Leuten in Llangahua kommunizieren würde (Spanisch oder Kichwa, wobei ich ersteres kaum und letzteres überhaupt nicht beherrschte). Außerdem fragte ich mich wie mich die Leute dort wohl aufnehmen würden. Da man aus Flugzeugen glücklicher- weise nicht einfach so aussteigen kann, konnte ich meine Entscheidung für die Reise nach Ecuador nicht mehr revidieren. Am Flughafen in Quito holte mich wie geplant Cesar, einer der Dorfbewohner von El Salado und Eigentümer der Käserei dort, ab. Mit ihm verstand ich mich auf Anhieb sehr gut und alle eventuellen Zweifel bezüglich Ecuadors verflogen rasch. Eine von Cesars ersten Fragen war, ob ich die Gitarre dabei hätte und Gitarren- unterricht geben wolle. Ich schluckte, da ich erst wenige Wochen zuvor (extra für Ecuador) begonnen hatte mich in dieser Kunst zu schulen, lächelte und erklärte, dass ich einen ganzen Gitarrenkurs dabei hätte und wir auf diese Weise doch alle gemeinsam lernen könnten. Wenige Sätze später schlief ich ein, und wachte erst wieder auf, als wir in Ambato angekommen waren. Dort sollte ich eine Woche verbringen. Während meiner ersten Tage in Ambato, lernte ich jeden Tag neue Leute kennen. Dies verdankte ich zu einem großen Teil Martha, der Mutter von Silvia, die mich von Anfang an in ihr Herz schloss und eine unglaubliche Gastfreundschaft an den Tag legte. Mein Start mit den Indígenas auf dem Berg verlief weniger gut. Nach meinem ersten Tag in El Salado wurde ich krank – wohl wegen des Essens- und quartierte mich vorübergehend bei Martha in Ambato ein. Die ganze Familie schleppte mich dann zum Arzt, der mir Antibiotika verordnete. Nach ein paar Tagen ging es mir schon viel besser und die richtige Arbeit in den Bergen begann. Cesar hatte zuvor noch eine Heizung besorgt um künftiges Frieren nachts in der Hospederia (meinem trauten Heim in El Salado) zu vermeiden. In den ersten Tagen in El Salado unterstützte mich Cesar kräftig, indem er mich auf sämtliche wichtige Dorfversammlungen mitnahm, mich den Menschen dort sowie den wichtigen Dorfleuten vorstellte, deren Namen und Gesichter ich jedoch sofort wieder vergaß.

Die Menschen in El Salado verhielten sich mir gegenüber zunächst sehr verschlossen und die Frauen kamen wohl eher aus Neugierde für meine Person zu den Frauentreffen, die ich zu veranstalten begann. Ein weiteres Projekt bestand darin die ungefähre Einwohnerzahl in Llangahua herauszufinden, wofür ich mit Cesar zensusartige Fragebögen austeilte. In einem Dorfteil von Llangahua (Llangahua besteht aus El Salado, Escaleras und Loma Gorda) misstrauten sie der ganzen Aktion und verbrannten sämtliche Fragebögen. Mit den Kindern tat ich mich da leichter. Als nach einer weiteren Woche die Schule anfing kam mein Leben im Dorf allmählich in Schwung. Ich begann in der Schule Englisch zu unterrichten und bot abends einen Englischkurs in der Hospederia an. Dieser Kurs erwies sich als sehr hilfreich um zumindest mit einigen der Dörfler in Kontakt zu kommen. Im Dorf war ich dann später als die „Englischlehrerin“ bekannt. Mit der Zeit begannen mich jeden Abend Kinder in der Hospederia zu besuchen. Ich malte, spielte Gitarre oder Karten mit ihnen. Nach 2 oder 3 Wochen kam dann Maria, eine weitere Deutsche an. Zusammen veranstalteten wir Videonachmittage mit den Kindern, unterrichteten an der Schule und versuchten auch einen Englischkurs für Lehrer in Ambato anzubieten - allerdings mit nur sehr mäßigem Erfolg. Am Colegio bemühten sich besonders die Lehrerinnen Martha und Belgica um uns und brachten uns häufig die exotischsten Früchte mit, um sich dann um so mehr zu freuen, wenn wir diese noch nie zuvor gesehen geschweige denn gekostet hatten. Sehr witzig fand ich auch den Besuch der örtlichen Junggesellen El Salados in der Hospederia, die bei mir und Maria vorsprachen. Außerdem half uns Alex, der ebenfalls für Stupor Mundi arbeitet, mit den Dörflern in Kontakt zu kommen und nützliche Dinge, wie beispielsweise ein Radio, zu organisieren. Mit Alex unternahmen wir auch ein paar Ausflüge in der Umgebung. Nach und nach gewöhnten sich die Menschen in El Salado an Maria und mich und begannen aufzuwärmen. Natürlich war meine Zeit in El Salado auch von zahlreichen Rückschlägen begleitet. So hatte ich beispielsweise das Gefühl alles mindestens drei Mal organisieren zu müssen, bis wirklich etwas funktionierte. Eine besonders herbe Enttäuschung bereitete mir das Desinteresse der Frauen an einem Lesekurs, der dann auch nicht zustande kam. Frustrierend waren teilweise außerdem die Lehrer am Colegio, die mit ihren ständig neuen Stundenplänen meine eigenen Unterrichtskonzeptionen total zunichte machten.

Trotzdem gab es Momente in denen all die Frustrationen wieder ausgewogen wurden. So erinnere ich mich besonders gerne an meinen letzten Abend im Dorf. Endlich waren wieder Frauen zum Treffen in der Hospederia erschienen und Maria und ich servierten Pfannkuchen mit Bananen, die sehr gut ankamen. Dazu lief Salsamusik und die Kinder tanzten mit uns. Gegen Abend kamen besonders viele Kinder in die Hospederia, wir hatten ein Feuer im Kamin, Alex unterrichtete Mathe, Maria versuchte einem Mädchen lesen und schreiben beizubringen, ich unterrichtete Englisch während einige Kinder und sogar Erwachsene zeichneten. Später spielte Cesar Gitarre und es wurde gesungen. Besonders schwer fiel mir der Abschied von Martha und ihrer gesamten Familie, die Maria und mich nicht nur auf Familienfeste mitnahmen und uns verpflegten, sondern uns wann immer wir an ihrer Tür klopften mit aller Herzlichkeit aufnahmen.
Ich bin sehr froh, dass man aus Flugzeugen nicht einfach aussteigen kann, denn sonst würde ich vielleicht heute eine unvergesslich tolle Erfahrung missen.