stupor mundi e.V.

Der Verein stupor mundi e.V. wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung der Hochlandgemeinde Llangahua in Projekten aus den Bereichen Freizeit, Bildung, Umwelt und Gesundheit zu unterstützen.

Motivation

Unsere Motivation basiert auf dem Vertrauen in junge Menschen, die sich mit individuellen Beiträgen für den schrittweisen Abbau von (gedanklichen) Hindernissen auf dem Weg zu einer weltweiten Gesellschaft mit einem gleichberechtigten Zugang zu Bildung und einem Gesundheitswesen, sowie den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt, engagieren. Gemäß dem Motto der indigenen Jugendbewegung MECIT (Movimiento de Estudiantes Campesino Indígenas de Tungurahua) in Ecuador:

“En un mundo que se destruye; una juventud que construye.”

 - „In einer Welt die sich zerstört, eine Jugend die aufbaut.”

Geschichte

Unter diesem Leitspruch, der im besonderen Maße das große Potenzial des Engagements visionärer, junger Menschen betont, setzt sich Ana María (Anita) Bonilla seit 1980 für die Verbesserung der Bildungschancen von Kindern aus ökonomisch benachteiligten Familien, die Reduktion von Kinderarbeit und gegen die Unterdrückung von Indigenen ein. Sie ist 16 Jahre alt als sie kurz vor Beginn ihres Studiums der Sozialen Arbeit in der Hauptstadt Quito, ihr ehrenamtliches Engagement bei MECIT beginnt. Zwei Jahre später wird sie als erste Frau zur Präsidentin der Bewegung gewählt, was sie in ihrem Entschluss des Abbaus bestehender Ungleichheiten in der ecuadorianischen Gesellschaft stärkt.

Über ein Austauschprogramm von Brot für die Welt, das Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen, landen im Jahr 1992  Ingrid Kern und Cornelia Brandenstein-Nuding in Ecuador. Im Jahr zuvor reisten Gerhard Kuntz, damals Öffentlichkeitsreferent bei Brot für die Welt, und Hans Stapperfenne im Rahmen einer Bildungsreise durch den südamerikanischen Kontinent, darunter auch nach Ecuador.

In der Stadt Ambato lernen sie Anita Bonilla, so wie auch die Arbeit von MECIT kennen. Zudem machen sie die Bekanntschaft mit César Tixilema, der sich als Jugendlicher ebenfalls aktiv für die Ziele der Jugendbewegung einsetzt und in der Kommunalpolitik tätig ist. Der Mittelpunkt seines politischen Engagements liegt dabei auf seinem Geburtstort El Salado und der Comunidad Llangahua, zu der das Dorf gehört. Ingrid lebt eine Zeit bei Anita Bonilla, deren Haus in Ambato gleichzeitig als Büro für MECIT dient. Cornelia führt es weiter hoch in die Anden nach El Salado (3.600m), wo sie Gast der Familie Tixilema ist.

Im Jahr 1993 besuchen Anita und César ihre Freunde in Deutschland, die damals mit der selbst gegründeten Arbeitsloseninitiative KIENSPAN e.V. Menschen, die aus gesundheitlichen oder psychischen Schwierigkeiten keine Anstellung auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt bekamen, einen Arbeitsplatz in einer Schreinerei boten.

Aus Gastfreundschaft entsteht eine langjährige Freundschaft, aus der sich schon bald gemeinsame Ideen zur Schaffung von Bildungseinrichtungen in ruralen Gebieten entwickeln. Gerhard, Hans, Ingrid und Cornelia werden angesteckt vom ehrgeizigen Engagement der indigenen Jugendbewegung, die für ihre Rechte kämpft und somit ihre Zukunft selbstbestimmt gestaltet.

Langsam wächst die Idee einer Vereinsgründung heran, über die das Engagement von Anita und César in El Salado durch den Austausch mit Jugendlichen aus Deutschland unterstützt werden soll.

Im Jahr 2005 wird die deutsch-ecuadorianische Zusammenarbeit mit dem Bau der „hospedería“ im Dorf von El Salado besiegelt. Hierbei handelt es sich um ein Gästehaus mit drei Schlafzimmern, einer großen Wohnküche mit Kamin, Badezimmern und einem großen Eingangsbereich. Das Haus wurde von der Dorfgemeinschaft nach den Plänen einer mexikanischen Architektin gebaut und bietet den freiwilligen Jugendlichen ein gemütliches Zuhause für die Dauer ihres Aufenthaltes in El Salado, Llangahua.

Unser Team

Im August 2004 gründen Gerhard Kuntz, Hans Stapperfenne, Ingrid Kern, und Cornelia Brandenstein-Nuding den Verein mit Hauptsitz in Deutschland. Etwas später wird Dorothea Eichel Vorstandsmitglied. Sie fördert die Vereinsarbeit durch die Verwaltung der Finanzen. Mittelpunkt des Engagements von stupor mundi e.V. wird das Dorf El Salado und die Gemeinde Llangahua in der Provinz Tungurahua, Ecuador, sein. Vor Ort, in Ecuador, können sie bis heute auf die Unterstützung von Anita Bonilla und César Tixilema zählen.

Während ihres Freiwilligendienstes über stupor mundi e.V. im Jahr 2012/13 entschließen sich Anna Brietzke und Marie Wurscher zur aktiven Mitarbeit. Auch Katharina LütkeHolz und Anna Deinert, die sich während des Turnus 2007/08 freiwillig in El Salado engagierten, steigen in die Arbeit des Vereins ein. Zusammen treten sie im Jahr 2014 dem Vorstand bei, was gleichzeitig die Fortführung der Arbeit von stupor mundi e.V. für die kommenden Jahre garantiert.

Im gleichen Jahr muss Silvia Guevara, die über viele Jahre einen großen Beitrag durch die Verwaltung der Finanzen des Vereins in Ecuador und die Suche von Gastfamilien in der Stadt Ambato leistete, ihr Engagement aus persönlichen Gründen reduzieren. Auf unseren Wunsch hin übernimmt Tannia Vargas, die Gastschwester von Marie, die Führung des Kontos in Ecuador. Seit Januar 2017 ist auch Alejandro Flor Teil des stupor mundi-Teams. Als Lehrer an der Unidad Educativa Bilingue Intercultural Llangahua im Ort El Salado steht er den Freiwilligen beinahe täglich als Ansprechpartner zur Seite.

Durch längere und mehrmalige Aufenthalte aller Vorstandsmitglieder in El Salado und Ambato sind enge Beziehungen und Freundschaften zu den Menschen vor Ort gewachsen, mit denen wir, dank einiger technologischer Neuerungen, regelmäßig in Kontakt stehen.

Zwei Mal im Jahr versammeln sich alle neun Vorstandsmitglieder zu einem Sitzungswochenende, an dem alle Arbeitsprozesse, der Einsatz der Freiwilligen in Ecuador, die Aufgabenteilung, die Finanzen, wie auch Zukunftsideen gemeinsam reflektiert und besprochen werden. Unsere Entscheidungen treffen wir nach dem Prinzip der Basisdemokratie und unter Berücksichtigung der Anregungen des jeweiligen Freiwilligenteams vor Ort in El Salado.

Auftrag

Was wäre unsere Arbeit ohne die vielen Jugendlichen, die sich im Namen von stupor mundi e.V. auf die Reise nach El Salado begeben?

Die Entsendung von mindesten zwei und höchstens drei Jugendlichen pro Turnus erfolgt jährlich im Monat August. Die Mindestaufenthaltsdauer im Projekt beträgt 6 Monate. Die eigene Erfahrung hat gezeigt, dass dieser Zeitrahmen gut geeignet ist, weil nach der anfänglichen Phase (2-3 Monate) des Einlebens in die Gemeinschaft und die Gastfamilien, einer Periode des intensiven Spracherwerbes, sowie die Gewöhnung an die Höhe von etwa 3.600 m noch ausreichend Zeit für die Verwirklichung von eigenen Projekten bleibt.

Denn: Ein Großteil der Arbeit des Vereins in El Salado basiert auf der Initiative und Kreativität der jeweiligen Freiwilligenteams, die in Rücksprache ihre Aufgabenfelder und Tätigkeiten selbst wählen.

Auf diesem Weg lernen die Jugendlichen Verantwortung zu übernehmen und ihre Interessen und Fähigkeiten selbstständig auszubauen und zum Vorteil für alle einzusetzen. Mit Freude beobachten wir, wie viele der jungen Menschen ein Stück über sich selbst hinauswachsen und viele kleine und große Projekte in Kooperation mit den Lehrern und den Bewohnern El Salados entstehen. Dabei reflektieren die jungen Freiwilligen stets ihre Rolle in der Gemeinschaft, die Konsequenzen ihres Handelns und werden immer wieder dazu angehalten die Welt aus einer weiteren Perspektive zu betrachten.

Die Grundlage aller Arbeitsprozesse bildet die hierarchielose Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Nationalitäten. Hierbei fördern wir den Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen über Grenzen, Generationen und Kulturen hinweg durch einen respektvollen Umgang miteinander und den offenen Dialog.

Einsatzschwerpunkte

Zurzeit konzentrieren sich unsere Aktivitäten auf den Ort El Salado, der im ecuadorianischen Andenhochland liegt, etwa eine Stunde Fahrtzeit von der Stadt Ambato entfernt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir, hauptsächlich durch den Einsatz der Freiwilligenteams, verschiedene Projekte aus den Bereichen Freizeit, Bildung, Umwelt und Gesundheit, die zur Umsetzung der Ziele der lokalen Bevölkerung beitragen.

Aufgrund der Initiative  mehrerer Freiwilligenteams haben wir unser Engagement zeitweise auch auf die Schulen der Orte Sanjapamba, Escorzoneras und Escaleras ausgeweitet.

In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt des Freiwilligeneinsatzes auf der Kooperation mit den Lehrern der ortsansässigen Bildungseinrichtung „Unidad Educativa Intercultural Bilingue Llangahua“ (UEIB) (vom Kindergarten bis zur 13. Klasse), was vor allem die Gestaltung und die Ausführung bestimmter Unterrichtseinheiten beinhaltete. Nun hat sich der Fokus in Richtung Angebote, wie themenspezifischer Arbeitsgruppen, die außerhalb des regulären Stundenplans stattfinden, verschoben.

Zudem soll die Mitwirkung der Freiwilligen an Projekten der Dorfgemeinschaft in den Vordergrund rücken. In diesem Zusammenhang wächst zurzeit eine Arbeitsgruppe der Frauen des Dorfes heran, die sich, in Zusammenarbeit mit stupor mundi e.V., für die Erhaltung, Produktion und den Vertrieb von lokalem Handwerk (insbesondere Strickwaren) einsetzen.

Mit viel Freude beteiligen sich die freiwilligen Helfer oft an „mingas“ (eine Form von Arbeitsteilung innerhalb der Dorfgemeinschaft zur Realisierung von Arbeiten, die allen im Dorf zu Gute kommen; alle ortsansässigen Familien beteiligen sich). In Form dieser Gemeinschaftsarbeit haben die Eltern der Schulkinder zusammen mit dem Freiwilligenteam aus 2008/09 den Pausenhof der UEIB gebaut und später einen naturnahen Spielplatz angelegt. Auch an der Aushebung von Gräben zur Verlegung der Rohre zur Trinkwasserversorgung haben unsere Freiwilligen mitgewirkt.

Zusammen mit den Schülern der Oberstufe (Jahrgang 11 – 13), dem damaligen Direktor der Schule (Luis Paucar) sowie eines Ingenieurs einer ecuadorianischen Umweltorganisation hat ein Freiwilligenteam ein Aufforstungsprojekt entwickelt, in dem etwa 700 einheimische Bäume der Art ‚Yagual‘ von den Schülern unter Anleitung gepflanzt und in Eigenverantwortung gepflegt wurden. Ein Teil dieser Yaguales ist mittlerweile zwischen 1,50 m und 2,00 m hoch!

Ein zentraler Bestandteil der Tätigkeit vor Ort ist unser so genanntes Nachmittagsprogramm, im Rahmen dessen die Freiwilligen die Türen der hospedería öffnen und die Bewohner El Salados, vor allem die Kinder, zu verschiedenen kreativen, sportlichen, musischen und kognitiven Aktivitäten einladen. In der hospedería befindet sich ein kleines Repertoire an Bastelmaterialen, Lesebüchern und Gesellschaftsspielen. Selbstverständlich können sich die Kinder auch mit Fragen zu Hausaufgaben, Präsentationen oder in Vorbereitung auf Klausuren an die Freiwilligen wenden.

Leistungen

Wir sind der Überzeugung, dass die Jugendlichen innerhalb ihres Freiwilligeneinsatzes einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Arbeit unseres Vereins stupor mundi e.V. leisten. Aus diesem Grund legen wir einen besonderen Wert auf die Vorbereitung des Einsatzes:

Im Rahmen eines obligatorischen Vorbereitungswochenendes erhalten die Freiwilligen einen Einblick in die Arbeit des Vereins und werden intensiv über die möglichen Tätigkeitsfelder informiert. Hierbei ist es uns wichtig, dass im Dialog mit den Jugendlichen erste Ideen und Anreize für mögliche Projekte entstehen und wir ihre Interessen und Fähigkeiten kennenlernen.  Zudem soll die Grundlage für einen offenen und vertrauensvollen Austausch zwischen uns und den Freiwilligen für die Dauer ihres Auslandsaufenthaltes, und auch gerne darüber hinaus,  geschaffen werden.

Eine kurze ethnologische Reflexionsübung dient der Sensibilisierung der Jugendlichen für den vorurteilsfreien und respektvollen Umgang mit anderen Menschen. Denn die Auflösung stereotyper Denkmuster, die vor allem der Aufrechterhaltung asymmetrischer Machtbeziehungen dienen, ist unserem Verständnis zufolge die Basis für eine hierarchielose Zusammenarbeit.

Zum Abschluss ihres Freiwilligeneinsatzes laden wir die Jugendlichen zur Evaluation ein. Gemeinsam reflektieren wir positive und negative Ereignisse und Erfahrungen in Bezug auf die Arbeit der Freiwilligen in El Salado und hinsichtlich der Betreuung durch den Verein stupor mundi e.V.. Alle Beteiligten erhalten die Möglichkeit konstruktive Kritik zu äußern, was sowohl für die persönliche Entwicklung der Freiwilligen, als auch für die permanente Veränderung und den Ausbau unserer Vereinsarbeit von großer Bedeutung ist.


Aus alter lateinischer Literatur über den Staufer-Kaiser Friedrich II, geboren 1194 n. Chr.,  stammt der Begriff. Sein politisches, wissenschaftliches und religiöses Engagement und die dadurch eingeleiteten Entwicklungen führten zum „Staunen der Welt“. U.a. führte er aus dem arabischen Bereich die Null ein, gründete Apotheken und medizinische Fakultäten. Besonders stark machte er sich für einen interreligiösen Dialog.

„Schon der englische Benediktiner Matthaeus Paris (um 1200–1259) bezeichnete Friedrich in seinem Werk Chronica Maiora als »stupor quoque mundi et immutator mirabilis« – als Staunen der Welt und deren wunderbarer Verwandler. Dieses Staunen, das seinerzeit eine Portion Furcht mit einschloss, zog sich durch die Jahrhunderte. So entstand das Bild vom multikulturellen Wunderkaiser.“

(Autor unbekannt: „Friedrich der Staufer: Staune und herrsche“ 22. Mai 2012, 8:00 Uhr ZEIT Geschichte Nr. 2/2012, URL: www.zeit.de/zeit-geschichte/2012/02/Friedrich-der-Staufer/komplettansicht.)